Rede von A. Camilla Spörndle  zur Eröffnung "heiter bis wolkig" im Alten Rathaus Solingen, Kunstverein Solingen


Rede zur Ausstellungseröffnung in Lüdinghausen von Annegriet Camilla Spörndle, http://www.kamillesk.de/




Rede zur Eröffnung in der Galerie  Ahlers, Göttingen, 2012

VON KLAUS SEBASTIAN

Ein blondes Mädchen in einer blaugrünen Jacke springt hoch in die Luft. Der Körper scheint für einen Augenblick zu schweben, die Kontur der menschlichen Figur verändert sich, verkürzt sich und wird beinahe zu einer ovalen Form.
Ähnlich wie eine Fotografin hält Heike Ludewig in ihrer Malerei den flüchtigen Augenblick fest. Wir sehen eine Momentaufnahme. Doch die Bilder der in Düsseldorf lebenden Künstlerin sind abstrakter und malerischer als jede  Fotografie.  Wenn man diese luftig-leichten Szenen genauer betrachtet, erkennt man, dass die Malerin alle überflüssigen Details eliminiert hat. Das heißt: Sie konzentriert sich auf das Wesentliche der Situation, sie lässt Nebensächliches weg. Man könnte auch sagen: Sie abstrahiert.
 
„Abstrahere“ (abstractum) - das bedeutet wörtlich: „abziehen, wegziehen“.
Ein abstrakt arbeitender Künstler versucht also, aus dem Zufälligen das Allgemeine oder das Wesentliche (durch Abstraktion, also durch „Weglassen“) herauszufiltern.
So gesehen abstrahiert natürlich auch die Fotografie, denn sie liefert uns ja keine „deckungsgleichen“ Abbilder der Realität. Die Eigentümlichkeiten der Foto-Optik mit ihren typischen Unschärfen und den angeschnittenen Motiven finden wir auch auf den Gemälden in dieser Ausstellung. Doch Heike Ludewig ist keine fotorealistische Künstlerin. Fotografien und tagebuchartige Skizzen nutzt sie nur als Ausgangsmaterial und Erinnerungsstützen für ihre Malerei.
Der Ring, den wir unter dem in der Luft schwebenden Mädchen sehen, könnte als Andeutung eines Trampolins oder als Wasserpfütze gedeutet werden. Die übrige Realität, der Rest der Welt bleibt unbeachtet. Was zählt, ist nur dieser Sprung,  dieser Zeitausschnitt - ein in Farbe und Form geronnener Augenblick.
 
Darüber hinaus durchweht ein Hauch von Utopie all diese Gemälde. Man nimmt Menschen wahr, die im Augenblick wirklich zu sich selbst finden, die in Selbstvergessenheit glücklich sind, Kinder beim Baden, junge Leute, die mit dem Hund spielen, spazieren gehen, sich sportlich betätigen.
Womöglich sind diese virtuos, mit wenigen einfühlsamen, gestischen Pinselstrichen porträtierten Figuren  wirklich bei sich und in jenem Moment voller Glück angekommen, dem schon Goethes Faust so verzweifelt nachspürte.
„Zum Augenblicke dürft' ich sagen: Verweile doch, du bist so schön!“
Auffällig ist, dass wir im Werk von Heike Ludewig fast keine Menschen finden, die sich in Arbeitssituationen befinden. Darin könnte man einen Hinweis sehen, dass die Bedingungen des Arbeitslebens heutzutage nur noch selten das Erlebnis von erfüllten Momenten möglich machen.
Für den schöpferischen, kreativen Menschen mag das immerhin noch gelten - dass er sich selbst in seiner Arbeit wiederfinden und spiegeln kann.
Bisweilen verharren die Gestalten auf den Gemälden von Heike Ludewig auch in einer Art von „Zwischenzeit“. Das Warten auf den Bus oder die Straßenbahn wird dann zum bildnerischen Thema. Im Übergang von der Arbeitssituation hin zur freien Zeit, zur Phase der Erholung, zum Müßiggang stehen die Menschen still. Wir alle kennen diese alltäglichen Situationen, die die Malerin mit Pinsel und Farbe verdichtet hat.
Nicht das Individuum wird hier ins Zentrum gestellt, sondern ein allgemeingültiges Geschehen wird anschaulich. Aus diesem Grund erklärt sich auch die Vielzahl der Rückenfiguren auf Ludewigs Bildern. Wenn sie nicht anonym in der Rückenansicht dargestellt sind, dann erscheinen sie im verlorenen Profil oder mit flächig vermalten Gesichtern. Hier wird noch einmal das Prinzip der Abstraktion deutlich, denn wiederum filtert die Malerin – ohne Rücksicht auf individuelle Besonderheiten - das Prinzip oder das Wesentliche eines Geschehens heraus.
Im nächsten logischen Schritt könnte der Versuch reizvoll erscheinen, diese ent-individualisierten Lebensausschnitte ausschließlich als reine Kompositionen zu betrachten, als ein Spiel aus Formen und Farben, als Lust an der Malerei.
 
Die Künstlerin bestätigt das, wenn sie sagt: „Für mich kann Glück schon in einer gelungenen Fläche oder einem gelungen Pinselstrich liegen.“
Wenn wir uns also auf den Stil und die Machart dieser Werke konzentrieren, dann fällt sogleich die scheinbare Leichtigkeit der Komposition ins Auge. Gewiss sind diese Gemälde hart erarbeitet, kalkuliert, durchdacht – doch sie erscheinen vor unseren Augen als wären sie der Künstlerin ganz einfach in einer günstigen Stunde aus dem Pinsel geflossen.
Die Farbkontraste sorgen für Spannung im Bild; die Farben charakterisieren die Stimmung des Geschehens und passen sich den Bewegungen der Figuren an; das Licht modelliert die Bildmotive, es macht sie glaubhaft und verleiht ihnen Wirklichkeit.
Und letztendlich entstehen die dargestellten Figuren direkt aus der Farbe heraus. Sie erinnern uns daran, dass wir alle nur flüchtige Erscheinungen sind, dass wir in jedem Augenblick immer nur kurz aufscheinen und im nächsten Moment schon wieder ganz anders gestimmt sein können. Heike Ludewig hält diese vergänglichen Augenblickserscheinungen in ihren Gemälden fest und verwandelt sie in kleine Ewigkeiten.     
 
 
 
 
 

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Rede zur Eröffnung bei Galerie Ahlers.p
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Artikel im Monopol Magazin zur Ausstellung bei Galerie Ahlers HIER

Video zur Ausstellung in Korea ( Changwon)